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Es summt und brummt im Internationalen Waldkunstzentrum. Das fällt uns besonders in den ersten sonnigen Frühlingstagen auf. An so einem Tag waren früher unzählige Insekten unterwegs, heute ist das eher überschaubar. In den letzten 20 bis 30 Jahren sind viele Arten stark dezimiert worden – oder ganz verschwunden, weiß Matthias Lothhammer vom Verein für Internationale Waldkunst zu berichten.

Das hochkomplexe Zusammenspiel aller Insekten können wir kaum erfassen. Alles ist miteinander verbunden. Seit den Neunzehnhundertachtziger Jahren sind durch den Einsatz von Unkrautvernichtern rund 75% aller Insekten verschwunden. Die noch da sind finden zu wenig Nahrung, blühende Wiesen fehlen. Unzählige Insekten sterben. Das Ökosystem ist in Gefahr zu kippen. Für Mensch und Umwelt bleibt das nicht folgenlos. Beispielsweise werden Blüten nicht mehr bestäubt, so entstehen keine Früchte. Was das noch alles macht, können wir uns kaum vorstellen. Wir müssen etwas tun!

Im Internationalen Waldkunstzentrum tut Matthias Lothhammer tatsächlich etwas: Man hört ihn ein paar Stunden sägen, hämmern und schließlich sieht man wie ein neues Insekten-Hotel entsteht. Er hat schon einige gebaut. Seine Insekten-Hotels funktionieren, ausgebucht, sozusagen. Besonders ist die Größe der Häuser, zurzeit arbeitet er an einer Insektenwand, die rund 2,5 Meter hoch ist.

Das Insekten-Hotel ist zwar familienfreundlich, aber doch nicht für alle Arten gleichermaßen geeignet. Manches wovon wir denken, das sei richtig, mögen manche Insekten vielleicht gar nicht.

Material, Bauart, Standort und Zusatzangebote wie Pollen, Nektar oder Wasser bestimmen, für welche Insekten das jeweilige Hotel besonders interessant ist. Lothhammers Air-Bee-n-Bee ist beispielsweise ist als Nisthilfe für solitäre Wildbienen und Schmetterlinge konzipiert.

Die Kammern wirken nicht statisch, sondern in Form und Inhalt an die Natur angelehnt. Die Materialien stammen nicht aus dem Bastelladen, sondern aus dem Waldkunstgarten, manchmal auch vom Internationalen Waldkunstpfad am Böllenfalltor. Holzscheiben, Äste, Zweige, Rinde, Blätter, Reisig, Moos, Erde, Lehm, Schilf und markhaltige Stängel sind völlig unbehandelt, die Schneckenhäuser sowieso. Plastik, Farben und Lacke, Draht oder Dachpappe werden hier überhaupt nicht verwendet. Welche Materialien nun wirklich gut für Insekten sind, muss man rausfinden sagt Lothhammer, Nadelholz, beispielsweise, ist weniger geeignet, es ist zu weich und das Harz verklebt die Bohrlöcher, in denen Insekten ihre Brut ablegen. Im Gespräch über all diese Details gerät er ins Schwärmen. Es ist wirklich komplex, aber doch so einfach, wenn Jeder etwas tut. Und er wünscht sich unzählig mehr Blühstreifen, heimische Kräuter auf der Fensterbank und viel mehr artgerechte Insektenhotels.